Online Unterricht

Fünf Leitsätze für den Online Unterricht

Was für ein Schock!
Sie unterrichten vielleicht bereits 5, 10 oder 15 Jahre, haben längst ihren Unterrichtsstil gefunden, lieben ihren Beruf – und von einem Tag auf den anderen wird alles anders. Von einem Tag auf den anderen können Sie nicht mehr vor ihren Schülern oder Studenten stehen, ihnen den Lernstoff
erklären, Fragen stellen und dann darauf warten, dass Finger in die Höhe schnellen. Stattdessen sitzen Sie zuhause und sollen nun online unterrichten. Ohne, dass Sie das jemals vorher versucht oder geübt hätten.


Dazu kommt, dass niemand weiß, wie lange dieser Ausnahmezustand dauern wird. Noch ein paar Wochen? Noch ein paar Monate? Oder gar so lange, bis die Mehrheit der Bevölkerung gegen das neue Virus, das uns alles eingebrockt hat, immun ist?


Grund genug, sich damit auseinanderzusetzen, wie guter und sinnvoller Online-Unterricht für Sie und ihre Schüler oder Studenten aussehen kann und was dafür wichtig oder weniger wichtig ist.


Vor sechs Jahren war ich in einer ähnlichen Situation: ich bin von Berlin weg ins Ausland gezogen; meinen Lehrauftrag an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin wollte ich aber nicht aufgeben. Die Hochschule machte mir das Angebot, den Unterricht als eLearning, also online, fortzuführen. Das sei auch für die Studenten von Vorteil, denn so könnten diese mit einem neuen
Lehr- und Lernstil vertraut werden. Ich hatte das Glück, noch eine Weiterbildung zum Thema Online Lehren und Lernen machen zu können …. und dann war ich auf mich gestellt.


Die folgenden Leitsätze stellen meine persönlichen Erkenntnisse aus sechs Jahren Online-Unterricht dar. Vielleicht hilft Ihnen der eine oder andere Gedanke, Ihren eigenen Stil für den Online-Unterricht zu finden. Ich stelle die Leitsätze hier kurz gesammelt vor und möchte dann jede Woche einen der Sätze erörtern und mit hoffentlich hilfreichen Beispielen anschaulich machen.


1. Der Unterricht verschiebt sich: weg vom Lehren, hin zum Lernen.

Beim Online-Unterricht ist die Aufgabe des Lehrers weniger das Lehren, als vielmehr die Unterstützung des Lernens. Sie stehen nicht mehr vorne an der Tafel und erklären im Klassenraum die Welt, eine Mathematikaufgabe oder eine Sprache. Viel mehr wird jetzt von ihnen erwartet, dass Sie ihre Schüler oder Studenten, die wahrscheinlich ebenfalls recht verzweifelt zuhause sitzen, so unterstützen, dass diese den notwendigen Stoff dennoch lernen können.


2. Gemeinsame Lernzeit – am Telefon, per WhatsApp oder in Zoom, Skype, Teams oder einer anderen Websoftware – ist kostbar.
Verschwenden Sie diese wertvolle Zeit nicht mit Arbeiten, die die Schüler oder Studenten auch alleine, ohne Ihre Unterstützung, bewältigen können. Nutzen Sie diese knappe Kontaktzeit für die Kommunikation und die Interaktion.


3. Geben Sie ihren Schülern oder Studenten Aufgaben, die diese allein bearbeiten können.
Verlangen Sie aber IMMER von jedem einzelnen Schüler Feedback zu jeder einzelnen
Aufgabe. Motivieren Sie ihre Schüler und fordern Sie Antworten ein.


4. Online-Unterricht braucht Software-Unterstützung.
Allerdings kommt es weniger darauf an, welche Software Ihnen zur Verfügung steht, als vielmehr, wie Sie diese nutzen. Man kann mit ganz einfacher Software gute Ergebnisse erzielen und die beste Software hilft nicht viel, wenn sie nicht richtig genutzt wird.


5. Haben Sie ein offenes Auge für die vielen Vorteile, die Online-Unterricht mit sich bringt.
Online-Unterricht hat nicht nur Nachteile, sondern auch viele Vorteile: Zeitflexibilität, individuelles Lerntempo und – insbesondere für die Schüler oder Studenten – mehr direktes Feedback vom Lehrer. Irgendwann, wenn Präsenzunterricht wieder möglich ist, werden Sie viele dieser Vorteile vermissen. Nehmen Sie diese Vorteile jetzt bewusst wahr und nutzen Sie
sie.